7.7.2025
Sexismus im Surfen?! - Jetzt die neue Folge im Wellenlänge Surfpodcast anhören!
Im Juli war ich zu Gast im Wellenlänge Surfpodcast! Benni hat mit mir und Stephi (vom übrigens einzigen Frauen-Podcast Stay Salty) über die verschiedenen Formen und Ursachen von Diskriminierung im (deutschen) Surfsport gesprochen und ich bin sehr happy, dass wir dieses Thema damit mal umfassender beleuchten konnten.
Must-hear für alle, die sich für die Hintergründe der strukturellen und interpersonellen Benachteiligung von Frauen im Surfen interessieren, Neues dazu lernen und Teil der Veränderung sein wollen.
I count on you ;-)!
Du kannst den Podcast unter nachfolgendem Link hören oder überall da, wo es Podcasts gibt. Hier schon mal der Teaser-Text:
"Es ist ein langer Weg auf der Welle zur Fairness...
Im alten Polynesien war das Wellenreiten ein Sport und eine spirituelle Handlung für alle. Im modernen Hawaii, bzw. den Stränden Malibus und schließlich weit darüber hinaus hat sich das Surfen über Jahrzehnte zunächst zu einer sehr männlichen Sportart entwickelt, Sexismus war und ist in unserer Lieblingssportart leider allgegenwärtig.
Die Gleichstellung von Männern und Frauen im Surfsport war längst überfällig. In den letzten Jahren gab es zwar bedeutende Fortschritte – doch sowohl im Sport als auch gesamtgesellschaftlich ist echte Gleichberechtigung noch nicht erreicht. Trotz wichtiger Meilensteine wie dem Equal Pay in der World Surf League kämpfen viele Surferinnen weiterhin um sportliche Anerkennung, Sichtbarkeit, Sponsoren – und um Gleichbehandlung im Line-up. Betroffen sind dabei nicht nur Frauen, sondern auch zahlreiche andere gesellschaftliche Minderheiten, die im Surfsport noch immer unterrepräsentiert sind.
Heute begrüßen wir Christine Sing, die sich beruflich mit Frauen in Führungspositionen und einer ausgewogeneren Arbeitswelt beschäftigt. Anlass unseres Gesprächs sind aktuelle Surf-Wettkämpfe, bei denen nach wie vor deutlich mehr Startplätze für Männer als für Frauen angeboten werden. Gibt es tatsächlich so wenige surfende Frauen – oder liegen die Ursachen für die ungleiche Verteilung doch tiefer?
Außerdem sprechen wir über weitere Themen wie das nach wie vor weit verbreitete Macho-Gehabe im Line-up und die fragwürdige Surfbekleidung für Frauen, die oft eher auf Sexappeal als auf Funktionalität und sportliche Performance ausgelegt ist."
30.5.2025
Diskriminierung von Frauen bei O2 Surf Masters 2025:
- Nur 12 Startplätze für Frauen, doppelt so viele für Männer
- 4 Frauen-Heats, 13 Männer-Heats
- Deutlich weniger Sichtbarkeit für die Performances von Surferinnen
Am 31. Mai 2025 startet der neue Wettbewerb im Rapid Surfen bei Surf Langenfeld, dann folgen das Wellenwerk in Berlin und das Rheinriff in Düsseldorf. Ich finde: Das ist kein gerechter Wettbewerb und habe dazu etwas recherchiert.
Das ist die Lage:
- Es dürfen 24 Männer und nur 12 Frauen starten.
- Durch die geringe Zahl der Frauen-Startplätze werden viele erfolgreiche Surferinnen vom Wettbewerb ausgeschlossen: Sowohl die Top 3 der DM in der Master-Kategorie, 3 Finalistinnen der Open Kategorie als auch die Meisterin der Juniorinnen werden nicht alle Stops mitsurfen können.
- Zudem gibt es keine unterschiedlichen Kategorien wie zB Master*innen, Junior*innen u.a., wie das bei regulären Surf Contests der Fall ist.
- Die Bekanntgabe des Startplans kurz vor Beginn des ersten Wettbewerbs in Langenfeld zeigt zudem, dass es nur vier Frauen-Heats versus 13 Männer-Heats Heats gibt.
- Die Sichtbarkeit der Performances von Frauen ist damit deutlich geringer.
Q&A - die häufigsten Fragen dazu und meine Einschätzungen:
Von den Veranstaltenden wurde als Argument für weniger Frauen-Startplätze auf Instagram geschrieben, es gäbe mehr Männer als Frauen im Surfsport.
Aufgrund der jahrezehntelangen strukturellen Benachteiligung ist das im Surfsport insgesamt zwar richtig, aber: im Rapid Wettkampfbereich ist dieser Unterschied nur noch gering. Mindestens genauso viele Surferinnen wie zugelassene Teilnehmerinnen würden gerne noch bei den O2 Surf Masters mitsurfen. Das zeigt auch ein Blick auf die Deutsche Rapid Surfmeisterschaft 2024: In der offenen Klasse startete nur eine Frau weniger (21) als bei den Männern (22). Bei den Junioren starteten 3 Mädchen und 4 Jungen. Und sogar bei den Masters war der Unterschied mit 11 Frauen und 16 Männern nicht sehr groß.
Plus: Gerade aufgrund der jahrzehntelangen Benachteiligung ist es aus meiner Sicht jetzt die besondere Verantwortung von Veranstaltenden hier Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen, um die Benachteiligung von Frauen auszugleichen und eine gleiche Teilhabe und Sichtbarkeit an solchen Wettbewerben zu ermöglichen.
Hinter den Kulissen wurde zudem laut, die Surf-Qualität der Männer sei einfach besser.
Um das einzuordnen hilft ein Blick in die Schweiz: Wenn Veranstaltende und Sponsoren gezielt mehr Platz für Frauen machen und sie entsprechend finanziell unterstützen (Surftraining auf einer stehenden Welle ist teuer), dann bekommen auch Frauen endlich die Möglichkeit, eindrückliche Performances zu entwickeln und zu zeigen.
Abschluss-Einschätzung: Geht es mehr um kommerzielle Interessen und ein Männer-Surf-Netzwerk als um den Sport?
Nach dieser umfassenden Betrachtung stellt sich mir daher die Frage, ob es bei den O2 Surf Masters wirklich um den Surfsport oder mehr um kommerzielle Interessen und die Selbstinszenierung eines Männer-Surf-Netzwerks geht.
Auf jeden Fall finde ich es sehr schade, dass die Veranstaltenden die Chance nicht genutzt haben, einen Wettbewerb zu gestalten, bei dem Surferinnnen und Surfer die gleichen Möglichkeiten bekommen, ihre Performances öffentlich zu zeigen und ihre Wettbewerbs-Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Denn ich finde: In 2025 sollte es selbstverständlich sein, dass der Anteil von Frauen bei einem Surfwettbewerb 50 Prozent beträgt und sie die gleiche Sichtbarkeit bekommen wie Männer.
Christine Sing, 30. Mai 2025
Aktuelles
Auf dieser Seite teile ich meine Beobachtungen und Einschätzungen über die Lage der Geschlechter-Gerechtigkeit bei aktuellen Surf-Wettbewerben.
Mein Ziel ist es, auf Benachteiligung aufmerksam zu machen und Impulse zu geben, wie künftige Wettbewerbe gerechter gestaltet werden können.
Alle Inhalte basieren auf meiner eigenen Recherche, die Einschätzungen spiegeln meine eigene Meinung wider.
12.10.2024
34 Männer und 1 Frau in den fünf „gemischten“ Kategorien bei der Deutschen Surfmeisterschaft 2024
Bei den deutschen Surfmeisterschaften in der O2 Surftown in München wurden Frauen stark ausgeschlossen.
Die Lage:
- Es startet nur EINE Frau in insgesamt fünf gemischten Kategorien (Adaptive, Cadets, Grommets, Masters, Seniors). Das ist ein Männeranteil von 97% und das sind vier reine Männer-Wettbewerbe.
- In drei anderen Kategorien SUP, Longboard und Junior*innen starten jeweils mehr Männer als Frauen.
- Allein die Kategorien Open Men und Open Women sind mit jeweils 16 Athlet*innen ausgeglichen.
Um die Öffentlichkeit auf diese krasse Diskriminierung aufmerksam zu machen, habe ich einen LinkedIn Post dazu veröffentlicht und den veranstaltenden Wellenreitverband und den Hauptsponsor O2 zur Verantwortung gezogen.
Der Post schlug Wellen und wir dürfen darauf gespannt sein und die Daumen drücken, dass die Surf DM 2025 deutlich fairer ausgerichtet sein wird.
Denn: Wir haben 2024 und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen im Surfsport gleichermaßen ernst genommen werden wie Männer. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die verantwortlichen Männer alles dafür tun, dass Frauen und Männer im Surfsport gleichermaßen gefördert und unterstützt werden und repräsentiert sind.
Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Anteil von Frauen bei jedem Surfwettbewerb 50 Prozent beträgt.
Christine Sing, 12.10.2024
Sind gemischte Kategorien fair?
Gemischte Kategorien bieten zwar theoretisch gleichen Zugang für alle, sind aber alles andere als fair. Pro Surferin und EqualPlayEqualPay-Aktivistin Lucy Small sagt:
„When you have a mixed division like that, the chances of a man winning the money is a lot higher, so it’s not really fair.”