Formen der Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen im Surfsport:
Hier habe ich mein Hintergrundwissen und Quellen über die Benachteiligung von Frauen im Surfsport zusammengestellt. Damit auch andere davon profitieren können.
Und zur Unterstützung für Veranstaltende, damit diese auf einen Blick sehen, worauf es bei der Gestaltung von fairen Surf-Wettbewerben ankommt.
Ausschluss: Bei internationalen Surf-Wettbewerben wurden Frauen lange von Wettbewerben ausgeschlossen. So gibt es bspw. erst seit 1987 auch eine WSL Womens Tour, aber auch danach wurden und werden Frauen noch von einigen Wettbewerben ausgeschlossen wie z.B. den Pipemasters in Hawaii, wo erst seit 2020 auch Frauen starten können.
Auch in Deutschland werden Frauen bis heute offen oder subtil von Wettbewerben ausgeschlossen - wie zB bei der Deutschen Surfmeisterschaft 2024 in den „gemischten“ Klassen.
Zeit-Artikel: Surfen und Sexismus
Preisgelder: Frauen erhielten jahrzehntelang niedrigere Preisgelder als Männer, erst 2019 hat die WSL gleiche Preisgelder für Frauen und Männger eingeführt (gilt nur für WSL-Wettbewerbe). Bis heute sind die Preisgelder für Frauen und Männer nicht immer gleich.
Taz-Artikel: Gender Pay Gap im Surfen
Einkommen und Sponsoring: Bis heute bekommen Männer im Sport leichter, mehr und bessere Sponsoringverträge. Profi-Surfer verdienen durchschnittlich vier Mal so viel wie Profi Surferinnen.
Equal Champs, eine Initiative, die sich speziell dem Sponsoring von Sportlerinnen widmet, schreibt: "Leistungssportlerinnen sind hinsichtlich Einkommen, Wettkampfprämien und Medienberichterstattung benachteiligt. 93% des weltweiten Sponsoringvolumens fließt in den Männersport, nur 7% in den Frauensport.“
Surf-Bedingungen: Männer bekamen lange die besseren Surfkonditionen im Meer und das passiert auch heute immer wieder, dass die Frauen-Wettbewerbe während der schlechteren Bedingungen abgehalten werden.
Auch in 2025 und in Deutschland passiert das leider noch: Bei den O2 Surf Masters bekommen die Frauen nur halb so viele Startplätze wie Männer (12 statt 24), deutlich weniger Heats und weniger Sichtbarkeit.
Eindrücklich erlebbar werden diese krassen Formen der Benachteiligung im Film "Girls can't surf".
Sichtbarkeit, Sexismus und mediale Darstellung:
Berichte in Surfmagazinen drehen sich deutlich mehr um Männer.
Surferinnen wurden und werden oft mehr als sexy Models anstatt als professionelle Surferinnen präsentiert, hier einige Beispiele:
- 2012 zeigt Roxy Stephanie Gilmore bei einer Werbekampagne nur im Bett, beim Anziehen und beim Duschen – ihr Gesicht oder beim Surfen sieht man nie
- Billabong Bild in deren Shop 2017: Mann beim Surftrick und Frau räckelt sich am Strand März 2024: Billabongs Kampagne „Where Surf Culture meets Sex Appeal“
Meine Forderung:
Aufgrund dieser vielschichtigen Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen im Surfsport ist es aus meiner Sicht die Verantwortung der Veranstaltenden wie der WSL, dem Wellenreitverband, den Sponsoren und den austragenden Wellen/Locations die Strukturen so zu verändern, dass Frauen endlich fairen Zugang zum Surfen, zu Sponsoringgeldern, Trainingsmöglichkeiten, Wettbewerben und Sichtbarkeit haben.
Film-Empfehlung: Girls can't surf
Der Film Girls Can't Surf erzählt die Geschichte von mutigen Surferinnen in den 1980er- und 1990er-Jahren, die gegen Sexismus, unfaire Wettbewerbsbedingungen und mangelnde Anerkennung im Profisurfen kämpften. Sie stellen sich der männlich dominierten Surfwelt und fordern gleiche Preisgelder, bessere Bedingungen und Respekt. Der Dokumentarfilm zeigt eindrucksvoll, wie sie durch Ausdauer und Zusammenhalt die Surfkultur nachhaltig veränderten.
Der Film zeigt, wie mehrere der besten Surferinnen der 1980er- und 1990er-Jahre nicht nur im Wasser brillierten, sondern auch abseits der Wellen für Gleichberechtigung und Anerkennung kämpften.
Weitere Dokumentationen, Bücher und Surf-Filme mit inspirierenden Surferinnen
Bethany Hamilton: Unstoppable (2018)
Die inspirierende Geschichte der Profisurferin Bethany Hamilton, die nach einem Haiangriff mit nur einem Arm weiter surfte und bis heute Wettkämpfe gewinnt.
Den Film können Sie bei verschiedenen Streaminganbietern anschauen.
Surf Girls Hawaii (2023, Prime Video)
Doku-Serie über die fünf junge hawaiianische Surferinnen Moana Jones Wong, Eweleiʻula "Ewe" Wong, Maluhia Kinimaka, Pua DeSoto und Brianna Cope, die auf dem Weg in die World Surf League begleitet werden.
She surf. The rise of Female Surfing, Lauren L. Hill
"Während Surfen meist als Männerdomäne gilt, pflegen Frauen schon lange ihre eigenen Geschichten auf dem Wasser und beanspruchen ihren rechtmäßigen Platz in der Welt dieses Sports. She Surf würdigt die Frauen von gestern und heute, die sich für die Weiterentwicklung der Kunst des Surfens einsetzen."
Surf on, Europe! (2024, WDR)
"Zerrissen zwischen der Freiheit der Wellen und gesellschaftlichen Zwängen ringen drei Surf-Begeisterte mit sozialen und politischen Hürden. So stellt z.B. Margaux in Frankreich Geschlechterstereotypen in der heteronormativen Surfszene infrage. Zusammen mit Freund:innen organisiert sie das erste LGBTQ+-freundliche Surf-Festival Europas."